Leseprobe aus:

 

Jesusforschung in vier Jahrhunderten

Texte von den Anfängen historischer Kritik
bis zur „dritten Frage“ nach dem historischen Jesus

Hrsg. von Werner Zager

 

 

Wer die im vorliegenden Studienbuch zusammengestellten Texte aus vier Jahrhunderten Jesusforschung, die eine repräsentative Auswahl darstellen, gründlich liest und durchdenkt, dürfte schwerlich wie Klaus Wengst zu dem Ergebnis kommen, dass es bei der Suche nach dem historischen Jesus „keinen Fortschritt, sondern immer wieder nur erneutes Scheitern“ gibt, dass solche Suche „immer wieder ein Chaos von Jesusbildern“ gebracht hat.[1] Wie in jeder Wissenschaft vollziehen sich Fortschritte nicht in einer geradlinigen Bewegung. So ist es auch immer wieder notwendig, das bisher Erreichte sich zu vergegenwärtigen, übergangene Fragestellungen und unberücksichtigt gebliebene Einsichten neu zur Geltung zu bringen. Eine Rückkehr zu überholten Positionen – wie etwa die von Martin Kähler – kann zwar vorkommen – wie bei Wengst –, wird sich aber kaum behaupten können. Dass Hypothesen entwickelt werden, die der Kritik nicht standhalten – wie z.B. die eines non-eschatological Jesus – und daher zurückgenommen werden müssen, dient letztlich dem Fortschritt der Forschung.

Die beiden „Leben Jesu in Kurzfassung“ von Gerd Theißen / Annette Merz[2] und Gerd Lüdemann (geb. 1946)[3] sind Zeugnisse dafür, dass sich innerhalb der Jesusforschung – trotz unterschiedlicher theologischer Standpunkte – in vielen Fragen Konsense erzielen lassen.

 

 

[1] Siehe Klaus Wengst, Der wirkliche Jesus? Eine Streitschrift über die historisch wenig ergiebige und theologisch sinnlose Suche nach dem „historischen“ Jesus, Stuttgart 2013, S. 303. 306.

[2] Gerd Theißen / Annette Merz, Der historische Jesus. Ein Lehrbuch, Göttingen 42011 (11996), S. 493-496.

[3] Gerd Lüdemann, Jesus nach 2000 Jahren: Was er wirklich sagte und tat, Lüneburg 32012 (12000), S. 573-582.